„Mit Gehölzen dem Klimawandel begegnen“

Bericht vom Wintertreffen des Permakultur Instituts e.V. von Judit Bartel

Am Wochenende hatte ich die Gelegenheit, unser Nüsseprojekt beim Wintertreffen des Permakultur Institut e.V. vorzustellen. Das dreitägige Treffen mit 60 Teilnehmenden aus ganz Deutschland stand unter dem Motto: „Mit Gehölzen dem Klimawandel begegnen“ und fand im mecklenburgischen Friedrichswalde statt.

Nach der Präsentation und im anschließenden kleinen Planungsworkshop erhielt ich wertvolle Anregungen für die weitere Ausgestaltung des Projekts.

Vivian Böllersen, die vor kurzem ein Buch zum Walnussanbau in Deutschland veröffentlicht hat, und die Walnussmeisterei betreibt, hielt einen spannenden Vortrag zum Thema Walnüsse.

Hendrik Gaede und Franziska Wolpert aus Witzenhausen stellten die Potentiale aber auch die Herausforderungen eines verstärkten Esskastanienanbaus in Deutschland als „Brotbaum“ vor. Ihre Vision, dass wir unsere Ernährung in Zukunft auch stärker von Baumkulturen bestreiten können, teile ich sehr. Die beiden starten dieses Jahr damit, einen Sortengarten und eine Baumschule anzulegen mit dem Ziel, einen breiten Genpool an Esskastanien zu generieren, der ertragreich ist, an unser Klima angepasst und resistent gegen Kastanienrindenkrebs und Tintenkrankheit. Dazu läuft im Moment eine crowdfunding-Kampagne.

Robert Strauch von der Agroforstkampagne startete seinen Vortrag mit der These, dass „Flurbereicherung“ nötig sei für eine resiliente Landwirtschaft. Große Ackerflächen und Strukturarmut erhöhten den Einfluss des Makroklimas und senken den Einfluss des Mikroklimas. Gehölzsstrukturen hingegen bergen das Potential, das lokale Mikroklima aktiv mitzugestalten – angesichts des Klimawandels eine wichtige Aufgabe. Im Nürnberger Land sind wir in dieser Hinsicht mit unserer kleinteiligen Agrarstruktur im Vorteil gegenüber anderen Regionen in Deutschland. Robert Strauch ging weiter darauf ein, was Bäume in der Landschaft alles schenken: Früchte, Wert- oder Energieholz, Schatten, Biomasse, Wurzelmasse, Wurzelextrudate (das sind nährstoffhaltige Flüssigkeiten, die die Wurzeln absondern), Humus, Futter, Windschutz, Räume, Struktur, Verdunstung, Kühlung, Schönheit, Wasser.

Mit Agroforstsystemen oder „Baumfeldwirtschaft“ könnten diese vielfältigen Gaben der Bäume auch Ackerflächen bereichern.

Bäume durchwurzeln den Boden dauerhaft. Sie erneuern ihre Feinwurzeln immer wieder und schenken so Nahrung für das Bodenleben und fördern den Humusaufbau. Bäume ermöglichen, dass Böden das Wasser von Starkniederschlägen langsam aufnehmen können, nicht verschlämmen und Nährstoffe nicht ausgewaschen werden.

Angesichts steigender Temperaturen sorgen Bäume dafür, dass Wind gebremst wird, die Bodentemperatur der Äcker heizt sich mit der Verdunstungskühlung durch Bäume und durch Schatten nicht so stark auf. Ackerflächen in Agroforstsystemen trocknen daher nicht so schnell aus. Und nicht alle einjährigen Ackerkulturen brauchen den ganzen Tag direkte Sonneneinstrahlung.

Er plädierte dafür, Maulbeeren stärker zu nutzen, die aufgrund ihrer Nutzung für die Seidenraupenproduktion auf Eiweißgehalt gezüchtet wurden. Sie seien schnittverträglich und böten ein gutes Futter für Wiederkäuer.

Leider gibt es in Deutschland immernoch Hindernisse, Agroforstsysteme zu installieren, weil Bäume auf Ackerflächen bisher nicht vorgesehen sind. Ein weiterer Hemmschuh ist die Tatsache, dass viele Landwirte auf gepachtetem Land wirtschaften mit nur kurzfristigen Verträgen. Wie sich dennoch auf kreative Weise eine Möglichkeit für Gehölzstreifen in Äckern finden lässt, erfuhren wir, als Laura und Johannes ihren noch jungen landwirtschaftlichen Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern vorstellten.

Ich bin dankbar für die reichhaltigen Inspirationen und die wertvollen Kontakte und wer weiß, vielleicht gelingt es uns ja, die eine oder andere Person im Rahmen des Nüsseprojekts hier nach Happurg zu holen!