Wer möchte seine Nüsse knacken + verarbeiten lassen?

Mit dem Nüsseprojekt arbeiten wir daran, unsere Versorgung mit Nüssen auf regionale Füße stellen. Neben der Pflanzung von Walnüssen, Haselnüssen und Esskastanien, möchten wir auch die Verarbeitung lokaler Nüsse voranbringen. Damit sollen bestehende Nussbäume in unserer Landschaft und in Siedlungsräumen wieder einen Wert bekommen.
Dafür möchten wir eine Kooperation mit der Nussmanufaktur „Gelbe Bürg“ im Altmühltal aufbauen und Nüsse knacken lassen, Walnussöl, Walnussmus, Nussnudeln und Nussmehl aus unseren Nüssen im Nürnberger Land herstellen lassen. Dies gelingt jedoch nur mit Ihnen!

Wir freuen uns sehr, wenn Sie diesen Fragebogen bis zum 15.09.2020 ausfüllen und senden an email hidden; JavaScript is required

Auch Menschen, die  gern das Nüsseprojekt mit voranbringen wollen und keine eigenen Nussbäume haben, bitten wir, den Fragebogen auszufüllen.

Herzlichen Dank!

Sie haben Interesse am Projekt, möchten jedoch den Fragebogen nicht ausfüllen?
Rufen Sie uns an: 0177-8073531 – Judit Bartel

Die hölzerne Revolution
Philipp Gerhardt sprach im Markgrafensaal über die Vorzüge von Bäumen auf Äckern

Am 28.7. fand im Markgrafensaal in Hohenstadt der Vortrag von Philipp Gerhardt statt zum Thema „Baumfeldwirtschaft“. Vor 55 Besucher*innen (und damit vor einem unter Corona-Mindestabstandsauflagen vollbesetzten Saal) zeigte Philipp in einem großen Bogen auf, wie angesichts des Klimawandels Bäume auf Äckern, Weiden und Wiesen helfen können die 2300 Gigatonnen CO2, die sich derzeit zuviel in der Atmosphäre befinden, der Atmosphäre wieder zu entziehen. Dafür wäre es nötig, lediglich 18 Bäume weltweit auf jedem Hektar landwirtschaftlicher Fläche zu pflanzen.

Baumreihen auf Äckern haben noch etliche weitere Vorzüge: Werden sie parallel zu Schlüssel-Höhenlinien gepflanzt, tragen sie dazu bei, das Wasser bei Starkregenereignissen länger auf dem Gelände zu halten, so dass es in den Boden eindringen und den Grundwasserspiegel wieder auffüllen kann. Außerdem kann mittels dieses Keyline-Designs Wasser entlang von Baumreihen auf trockenere Bergrücken geleitet werden.

kleiner Baumacker bei Roland Heldrich, Frechetsfeld

Dadurch, dass Bäume tiefer wurzeln, können sie auch in Trockenperioden Wasser aus tieferen Schichten an die Oberfläche pumpen, es dort durch die Spaltöffnungen ihrer Blätter verdunsten lassen und so auch für die Ackerkulturen mehr Feuchtigkeit bereit stellen. Die zeitweise Beschattung des Bodens durch die Bäume sorgt dafür, dass sich der Boden weniger stark aufheizt und dadurch weniger stark austrocknet. Durch ausreichenden Abstand zwischen den Baumreihen und ein Aufasten der Bäume gelangt dennoch genug Sonnenlicht auf die Ackerkulturen. Philipp regt an kritisch zu fragen, bei welchen Kulturen Sonnenlicht derzeit überhaupt noch der limitierende Faktor ist oder ob es nicht längst das Wasser sei. Baumreihen bremsen auch den Wind und sorgen damit gerade auf großen Schlägen zusätzlich dafür, dass der Boden in Trockenperioden weniger austrocknet.

Bei den Baumpflanzungen in Wald und auf landwirtschaftlichen Flächen ist darauf zu achten, „klimaplastische“ Arten zu pflanzen. Dies sind Arten, die sowohl mit unserem derzeitigen Klima als auch mit der in den kommenden 100 Jahren absehbaren Klimaveränderung zurechtkommen. Hier lohnt ein Blick nach Ost-Österreich und Ungarn, wo derzeit das Klima herrscht, das voraussichtlich auf uns zukommen wird. Unter anderem die Esskastanie wird da als heißer Kandidat gehandelt.

Im Vergleich zur geschlossenen Baumdecke eines Waldes und zu Ackerkulturen ohne Bäumen, kann ein lichter Baumbestand mit Gras oder Acker darunter mehr Sonnenenergie einfangen und in organische Masse verwandeln. Das Vorbild sind hier unsere alten Hutanger. Ähnlich der Darmzotten in unserem Darm sorgt eine lichte Baumstruktur für eine Vergrößerung der Oberfläche, in der Photosynthese stattfinden kann. Uminterpretiert für die efffiziente landwirtschaftliche Bewirtschaftung entsteht ein Agroforst-System mit Reihen aufgeasteter Bäume zum Beispiel in 30 Metern Reihenabstand.

Wenn auf den Bäumen auch noch Nahrung wächst in Form von fettreichen Nüssen, eiweißreichen Maulbeerblättern, kohlenhydratreichen Esskastanien, so können wir uns nicht nur CO2-neutral ernähren, sondern mittels dieser Nahrungsmittel mehr CO2 binden als ausstoßen.

Für das Nüsseprojekt, das ich zu Beginn des Vortrags kurz vorstellte einmal mehr Ansporn, Nüsse zu pflanzen. Was daraus alles leckeres entstehen kann, brachte Johanna Holzknecht mit ihren leckeren Walnusskeksen und dem Walnussbrot den Besucher*innen in der Pause nahe, genauso wie die Nussmanufaktur Gelbe Bürg, deren Walnussöle, Nussmuse und Mehle und Nudeln auf einem Tisch Lust auf einen Online-Einkauf machten. Wir vom Nüsseprojekt würden perspektivisch gern in Kooperation mit der Gelben Bürg Nüsse aus dem Nürnberger Land knacken und weiterverarbeiten.

Was den Anbau von Esskastanien auf unseren überwiegend kalkhaltigen Standorten betrifft, so rät uns Phlipp, auf einer Versuchsfläche, verschiedenste Esskastaniensorten anzubauen, um herauszufinden, welche hier gedeihen würden. Dafür suchen wir vom Nüsseprojekt noch eine geeignete Fläche und sind dankbar für jeden Hinweis!

Hier auch noch ein schöner Artikel in der Hersbrucker Zeitung über den Vortrag.

Fotos: Stephanie Hahne (außer 3: Judit Bartel)

Köstliches Bärlauch-Walnuss-Brot
Die Frische des Frühlings mit der Fülle des Herbstes verbinden

Unsere Tochter Johanna hat uns nun schon zweimal ein köstliches Bärlauch-Walnuss-Brot gebacken. Wenn ihr schnell seid und noch Bärlauch sammelt und noch ein paar Nüsse zuhause habt, könnt ihr es ganz leicht nachbacken:

Zutaten:

  • 250g Dinkelmehl
  • 250g Weizenmehl
  • 1/2 Würfel frische Hefe (oder auch Trockenhefe)
  • 1-2 TL Salz
  • Olivenöl (ca. 4 EL)
  • reichlich Bärlauch (2-3 Hände voll)
  • 100g Walnüsse

Zubereitung:

  • Hefe in lauwarmem Wasser auflösen
  • Mehl, Salz in eine Schüssel – die Hefe-Wasser-Mischung in eine Vertiefung in der Mitte der Schüssel gießen, mit etwas Mehl verrühren und 15min zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen
  • Öl ins Mehl gießen mit dem Vorteig in der Schüsselmitte und ggfs. weiterem Wasser zu einem Teig verkneten (Teig soll etwas kleben, so dass er Mehlreste vom Schüsselrand „putzt“)
  • gehackten Bärlauch und gehackte Walnüsse hinzu
  • gut durchkneten
  • als runden Laib in einer bemehlten Schüssel und mit Mehl bestreut zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen (bis der Teig deutlich an Volumen zugenommen hat)
  • auf ein Backblech stürzen
  • bei ca. 200 Grad 30 min backen
  • auf einem Gitter mit Geschirrtüchern abgedeckt auskühlen lassen

Genießen! Zum Beispiel mit Butter bestrichen…

Auftaktpflanzaktion auf der Kainsbacher Wiese

Am Sonntag, 1.3.2020, trafen wir uns auf unserem Vereinsgrundstück, der Kainsbacher Wiese, um dort zwei veredelte Walnüsse (Sorte: Seiffersdorfer Runde und Fernor) und eine Esskastanie zu pflanzen. Damit wollen wir die Streuobstwiese mit überaltertem Bestand aus vorrangig Äpfeln nach und nach verjüngen und umgestalten zu einem Beeren-Obst-Nuss-Hain.

Wir freuen uns, dass 17 Menschen unserer Einladung gefolgt sind und alle mit viel Freude bei Sonnenschein tatkräftig anpackten. Einige hoben die großzügigen Pflanzlöcher aus in der zur Zeit doch sehr nassen Erde. Dabei stellten wir fest, dass der Unterboden teils sehr lehmig-tonig, teils sandig ist. Andere haben die Eichenpfähle mit Zieheisen vom Splintholz befreit und wieder andere haben die gesamte Wiese mit Holzasche als Düngung versorgt.

Nach der Pflanzung gaben wir den Bäumchen noch unsere guten Wünsche auf den Weg und baten Erde, Sonne, Wasser, Mineralien und die Tier-, Pflanzen- und Pilzwelt um Unterstützung fürs Gedeihen dieser kleinen Bäumchen. Dies bekräftigten wir noch mit einem eigens gedichteten „Nüsse-Lied“ (bzw. Kastanien-Lied) 🙂

Als Herr Neitz von der Hersbrucker Zeitung kam, hat Judit noch allen Anwesenden die verschiedenen geplanten Aktivitäten und Ausrichtungen des Nüsseprojekts vorgestellt und zu den kommenden Veranstaltungen eingeladen. Das Zusammenräumen ging dann etwas geeilt vonstatten, da uns ein kräftiger Regenguss überraschte.

Ein Dank an alle helfenden Hände und an Stephanie Hahne für die schönen Fotos!

Nun bleibt zu wünschen, dass wir bald geeignete Flächen finden, auf denen wir im Herbst noch viel mehr Nüsse und Kastanien pflanzen können. Und wenn wir dann bei den Pflanzaktionen auch nur annähernd soviele Helfer*innen pro zu pflanzenden Baum haben wie am Sonntag, dann wird das richtig schön!

  

„Mit Gehölzen dem Klimawandel begegnen“
Bericht vom Wintertreffen des Permakultur Instituts e.V. von Judit Bartel

Am Wochenende hatte ich die Gelegenheit, unser Nüsseprojekt beim Wintertreffen des Permakultur Institut e.V. vorzustellen. Das dreitägige Treffen mit 60 Teilnehmenden aus ganz Deutschland stand unter dem Motto: „Mit Gehölzen dem Klimawandel begegnen“ und fand im mecklenburgischen Friedrichswalde statt.

Nach der Präsentation und im anschließenden kleinen Planungsworkshop erhielt ich wertvolle Anregungen für die weitere Ausgestaltung des Projekts.

Vivian Böllersen, die vor kurzem ein Buch zum Walnussanbau in Deutschland veröffentlicht hat, und die Walnussmeisterei betreibt, hielt einen spannenden Vortrag zum Thema Walnüsse.

Hendrik Gaede und Franziska Wolpert aus Witzenhausen stellten die Potentiale aber auch die Herausforderungen eines verstärkten Esskastanienanbaus in Deutschland als „Brotbaum“ vor. Ihre Vision, dass wir unsere Ernährung in Zukunft auch stärker von Baumkulturen bestreiten können, teile ich sehr. Die beiden starten dieses Jahr damit, einen Sortengarten und eine Baumschule anzulegen mit dem Ziel, einen breiten Genpool an Esskastanien zu generieren, der ertragreich ist, an unser Klima angepasst und resistent gegen Kastanienrindenkrebs und Tintenkrankheit. Dazu läuft im Moment eine crowdfunding-Kampagne.

Robert Strauch von der Agroforstkampagne startete seinen Vortrag mit der These, dass „Flurbereicherung“ nötig sei für eine resiliente Landwirtschaft. Große Ackerflächen und Strukturarmut erhöhten den Einfluss des Makroklimas und senken den Einfluss des Mikroklimas. Gehölzsstrukturen hingegen bergen das Potential, das lokale Mikroklima aktiv mitzugestalten – angesichts des Klimawandels eine wichtige Aufgabe. Im Nürnberger Land sind wir in dieser Hinsicht mit unserer kleinteiligen Agrarstruktur im Vorteil gegenüber anderen Regionen in Deutschland. Robert Strauch ging weiter darauf ein, was Bäume in der Landschaft alles schenken: Früchte, Wert- oder Energieholz, Schatten, Biomasse, Wurzelmasse, Wurzelextrudate (das sind nährstoffhaltige Flüssigkeiten, die die Wurzeln absondern), Humus, Futter, Windschutz, Räume, Struktur, Verdunstung, Kühlung, Schönheit, Wasser.

Mit Agroforstsystemen oder „Baumfeldwirtschaft“ könnten diese vielfältigen Gaben der Bäume auch Ackerflächen bereichern.

Bäume durchwurzeln den Boden dauerhaft. Sie erneuern ihre Feinwurzeln immer wieder und schenken so Nahrung für das Bodenleben und fördern den Humusaufbau. Bäume ermöglichen, dass Böden das Wasser von Starkniederschlägen langsam aufnehmen können, nicht verschlämmen und Nährstoffe nicht ausgewaschen werden.

Angesichts steigender Temperaturen sorgen Bäume dafür, dass Wind gebremst wird, die Bodentemperatur der Äcker heizt sich mit der Verdunstungskühlung durch Bäume und durch Schatten nicht so stark auf. Ackerflächen in Agroforstsystemen trocknen daher nicht so schnell aus. Und nicht alle einjährigen Ackerkulturen brauchen den ganzen Tag direkte Sonneneinstrahlung.

Er plädierte dafür, Maulbeeren stärker zu nutzen, die aufgrund ihrer Nutzung für die Seidenraupenproduktion auf Eiweißgehalt gezüchtet wurden. Sie seien schnittverträglich und böten ein gutes Futter für Wiederkäuer.

Leider gibt es in Deutschland immernoch Hindernisse, Agroforstsysteme zu installieren, weil Bäume auf Ackerflächen bisher nicht vorgesehen sind. Ein weiterer Hemmschuh ist die Tatsache, dass viele Landwirte auf gepachtetem Land wirtschaften mit nur kurzfristigen Verträgen. Wie sich dennoch auf kreative Weise eine Möglichkeit für Gehölzstreifen in Äckern finden lässt, erfuhren wir, als Laura und Johannes ihren noch jungen landwirtschaftlichen Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern vorstellten.

Ich bin dankbar für die reichhaltigen Inspirationen und die wertvollen Kontakte und wer weiß, vielleicht gelingt es uns ja, die eine oder andere Person im Rahmen des Nüsseprojekts hier nach Happurg zu holen!